2025-04-10
Schwellenwerte 2026 — welche Ausschreibungen gehen direkt an dich?
Ab welchem Auftragswert wird europaweit ausgeschrieben? Und welche Aufträge kannst du unter dem Radar finden? Die aktuellen Schwellenwerte einfach erklärt.
Für bayerische Bauunternehmen, die öffentliche Aufträge gewinnen wollen, ist eine Zahl entscheidend: 5.538.000 Euro. Wer darunter bleibt, spielt in einem anderen — zugehörigeren — Spielfeld. Und genau dort liegen die interessantesten Chancen für kleine und mittlere Baubetriebe.
Die aktuellen Schwellenwerte 2026
Die EU aktualisiert die Schwellenwerte alle zwei Jahre. Für 2026/2027 gelten:
Bauaufträge (öffentliche Auftraggeber):
- Oberschwellenwert: 5.538.000 € (netto)
- Alles darüber: EU-weit in TED (Tenders Electronic Daily) veröffentlicht
Lieferungen und Dienstleistungen (öffentliche Auftraggeber):
- Oberschwellenwert: 143.000 € (Bund) bzw. 221.000 € (Länder/Kommunen)
Was das für Bauunternehmen bedeutet
Der interessante Bereich liegt unterhalb des Oberschwellenwerts. Hier gelten die Regelungen der VOB/A (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) und das jeweilige Landesvergaberecht. In Bayern ist das das BayMVgG.
Freihändige Vergabe: Bis zu einer Schätzwertgrenze (in Bayern i.d.R. 50.000 €) kann die Vergabestelle direkt drei Firmen anfragen. Hier zählt die persönliche Bekanntheit.
Beschränkte Ausschreibung: Zwischen 50.000 € und dem nationalen Oberschwellenwert werden typischerweise 3–8 Bieter eingeladen. Diese Ausschreibungen sind nicht öffentlich sichtbar — wer einen guten Ruf bei der Vergabestelle hat oder aktiv Kontakt hält, hat hier klare Vorteile.
Öffentliche Ausschreibung (national): Öffentlich zugänglich, aber nur national beworben. Weniger Wettbewerb als EU-weit, aber mehr als bei freihändiger Vergabe. Das ist der Kernbereich für KMU.
Wo findest du diese Aufträge?
Aufträge unterhalb des EU-Schwellenwerts werden nicht in TED veröffentlicht — sondern auf nationalen Vergabeplattformen, kommunalen Amtsblättern und regionalen Portalen. Das ist einer der Hauptgründe, warum sie so schwer zu finden sind: Es gibt keine zentrale Quelle.
In Bayern sind relevante Stellen z.B.:
- Bayerischer Staatsanzeiger (staatsanzeiger.de)
- Bayerische Staatsbauverwaltung (vergabe.bayern.de)
- Kommunale Vergabeportale der Landratsämter und kreisfreien Städte
- DTVP, evergabe, subreport (bundesweit mit Bayern-Filter)
Tipp: Konzentriere dich auf den Bereich zwischen 50.000 € und 500.000 €. Das ist der Bereich, in dem öffentliche Ausschreibungen für KMU zugänglich und gleichzeitig attraktiv sind — mit weniger Wettbewerb als bei großen EU-weiten Vergaben.
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